Die inzwischen etwa 5 Jahre alten NUCs an der Schule haben Kingston SSDs verbaut, und in der jüngeren Vergangenheit begannen sich diesbezüglich die Fehler zu häufen: Bei inzwischen 4 Geräten scheinen die SSDs gestorben zu sein.

Symptomatisch für das Problem sind vier Anzeichen:

  • Der Rechner bootet nicht mehr von der Festplatte sondern besteht darauf, per tftp übers Netzwerk zu starten, was natürlich nicht zum Erfolg führt. Linbo startet, das eigentliche Betriebssystem nicht (wer wissen will, was „Linbo“ ist, kann hier nachsehen).
  • Im (über tftp gestarteten) Linbo wird angezeigt, dass keine HDD verbaut sei.
  • Ein Blick ins Bios zeigt als Festplatte ein seltsames Gerät mit Namen SandForce{200026BB}, das eine Speicherkapazität von 32kB aufweist.
  • Das Problem tritt sehr plötzlich auf: Man verwendet einen Rechner, zieht beispielsweise ein neues Image drauf, fährt ihn herunter, um Ihn an seinem Bestimmungsort wieder in Betrieb zu nehmen – geht nicht mehr.

Zunächst bin ich also davon ausgegangen, dass die SSDs einfach defekt sind und habe neue beschafft. Mit dem Einbau der neuen SSDs funktionierten die betroffenen NUCs im Weiteren wieder tadellos.

Neugierde

Nun wollte ich das schon noch etwas genauer wissen, bevor ich in den kommenden Wochen und Monaten vor der Neuanschaffung von 40 SSDs stehe.

Um die Sachlage zu untersuchen, habe ich die SSDs zunächst mit einem mSata-Sata-USB Adapter an einem Laptop untersucht:

Eine fehlerhafte SSD am Adapter: mSata-Sata-USB

Der Laptop hat beim Anschließen der Gerätschaft auch „etwas“ erkannt, ein schneller Scan mit fdisk zeigte, dass es eben diese seltsame 32kB große Platte war.

Screenshot mit der Ausgabe von fdisk auf die defekte SSD

Internet to the rescue…

Eine kurze Recherche nach „Sandisk 32kb SSD suddenly“ förderte unter anderem einen Artikel bei Backblaze zum Troubleshooting bei SSDs zu Tage, besonders interessant der zum Artikel gehörige Kommentar: https://www.backblaze.com/blog/ssd-troubleshooting/#comment-3130139848

Der Nutzer Malvineous schreibt dort:

If you have an SSD with SandForce firmware, as the drive ages the firmware can deteriorate and if this happens, the drive works perfectly until you power cycle it, when it comes back up in a special recovery mode where the model number simply reads „SandForce{200026BB}“ and the disk is only 32kB. If this happens not even data recovery companies can restore the data thanks to SandForce encrypting the data before writing it to the storage flash chips.

https://www.backblaze.com/blog/ssd-troubleshooting/#comment-3130139848

Und schlägt einen kreativen Weg der Wiederherstellung vor:

  • Wenn man die SSD tiefkühlt, soll sie wieder funktionieren
  • Wenn man dann die Firmware aktualisiert, wird die Firmware neu in den Flash-Speicher geschrieben und die SSD funktioniert anschließend wieder dauerhaft.

Ein Tiefkühlfach ist vorhanden, was kann es schaden. Eingefroren, rausgeholt angeschlossen, funktioniert.

Manchmal ist Linux nicht genug

Im folgenden unternahm ich einige Anstrengungen, das Kingston SSD Tool unter Arch-Linux zu einer wie auch immer gearteten Form der Mitarbeit zu bewegen, allerdings ohne Erfolg. Auch gelang es mir nicht, den USB-Sata Adapter an eine Windows 7 VM unter Virtualbox durchzureichen.

So musste ich zähneknirschend die original HDD eines Lenovo T440s herauskramen, auf der sich noch das „mitgelieferte“ Windows 10 befand und diese statt der Linux Systemplatte reimplantieren.

Unter dem nativ laufenden Windows 10 war es dann – auch über den USB-Sata-Adapter – problemlos möglich, die Firmware der tiefgekühlten SSDs zu aktualisieren. Der Diagnosebereich (Wear-Indicator/Spare-Blocks) war dabei übrigens vollkommen unauffällig, allen SSDs wurde vom SSD Tool eine ausgezeichnete Gesundheit bescheinigt.

Auch einen Tag später, bei inzwischen normalen Raumtemperaturen funktionieren die SSDs alle auf Anhieb.

Man darf erstaunt sein, sich aber auch ein wenig freuen.

Markiert in: