wpid-img_20140711_170502.jpgIch weiß von Menschen, die schaffen sich keinen Hund an, weil Hunde high-maintenance-Haustiere sind: Als hoch soziale Säugetiere sind sie auf ihren Familienverband derart angewiesen, dass man sie zum Beispiel nur sehr begrenzt alleine lassen kann. Das geht im Alltag vielleicht für ein paar Stunden, aber sicher nicht den ganzen Tag. Die Urlaubsplanung dreht sich hauptsächlich um die Frage, ob der Wunschort hundegeeignet ist – oder wo der Hund in der Zeit adäquat betreut werden kann.  Und dann ist da noch diese tägliche Verpflichtung, aus der man überhaupt nicht raus kommt, egal wie viel Stress, Arbeit, Unlust, Regen oder Kälte im Spiel sind: Das sogenannte Gassi. Wir nennen das ja nicht so, hauptsächlich, weil wir selten in Gassen spazieren gehen. Geographisch bedingt wäre ‚Waldi‘, ‚Wiesi‘ oder  ‚Bachi‘ viel angebrachter, aber das ist ja affig – wir nennen es deshalb einfach ‚raus‘. Wie man sich nicht als privilegiert betrachten kann, wenn man jeden Tag ein bis zwei Stunden, an Wochenenden gerne auch deutlich länger, ‚raus‘ darf, ist mir ja ein Rätsel.

Weil:

Raus aus dem Alltag

Warum sollte man auf einen Heuballen klettern? Na, weil man's kann!
Warum sollte man auf einen Heuballen klettern?
Na, weil man’s kann!

Meine Alltagsroutinen sind, wie die der meisten Menschen, ziemlich gleichförmig. Deshalb heißen sie ja auch Routinen. Das ist einerseits gut für die Strukturierung des Tages, Jahres, Lebens, aber andererseits auch wenig spannend, und mit Pech sind es keine selbst gewählten Routinen, sondern durch Menschen, Institutionen oder Systeme aufgezwungene. Die Tatsache, dass man mit seinen Hunden raus muss, ist zwar auch eine Routine, aber wie sich das ‚Raus‘ gestaltet eben nicht: Weder der Weg noch das Ziel ist festgelegt, Jahreszeit und Wetter sorgen für Abwechslung, und ob man alleine mit einem Hund oder zu zwanzigst mit acht Hunden geht ist auch ein großer Unterschied. Was während der Raus-Zeit passiert ist ebenfalls höchst variabel: Macht man heute „Strecke“ oder Höhenmeter? Geht man Schwimmen? Steht eine Trainingseinheit an oder wird einfach nur gespielt? Wird es ein Picknick geben?

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Indie genießt höchst zufrieden die Rast bei einer Wanderung
Nero nach ausgiebigem Bad im Bach
Nero nach ausgiebigem Bad im Bach

 

Der kleine Higgs muss lernen, dass nasse Pfoten kein Weltuntergang sind... oder doch?
Der kleine Higgs muss lernen, dass nasse Pfoten kein Weltuntergang sind… oder doch?

Zurück zur Natur – und zwar zu Fuß!

Natürlich weiß man auch als normal pendelnder Arbeitnehmer, welche Jahreszeit grade ist. Womöglich musste man ja morgens die Scheiben kratzen. Und aus dem Zugfenster heraus kann man natürlich sehen, dass Felder im Sommer anders aussehen als im Herbst. Eine viel differenziertere Wahrnehmung der Natur zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten mit allen Sinnen wird aber möglich, wenn man schlicht näher dran ist: Mit den Füßen im Gras, mit der Nase an den Blumen, mit den Ohren im Wald und mit Wind und Regen im Gesicht.

Schlechtes Wetter? Was soll das sein?
Schlechtes Wetter? Was soll das sein?

 

Das jedenfalls nicht, denn da "tröpfelt's nur", gell, Moni?
Das jedenfalls nicht, denn da „tröpfelt’s nur“, gell, Moni?

Echte Ästhetik

Als primäres Augentier wird man als Vertreter der Homo sapiens von optischen Reizen besonders stark angesprochen. Weil unser Gehirn so enorm gut abstrahieren kann, reichen uns Schlüsselreize, um Bilder zu interpretieren, was praktisch ist, wenn man beim Trinken am Wasserloch von einer jagenden Löwin überrascht wird. Man muss zum Überleben also gar nicht alle Informationen, die das Sehzentrum erreichen, verarbeiten – man kann aber, wenn man sich etwas mehr Zeit nimmt (und Löwen sind ja grade bei uns keine besonders dringliche Gefahr), und die höhere Verarbeitungstiefe wird belohnt: Mehr Informationsverarbeitung führt zu höherer kognitiver Aktivierung führt zu neuen Verknüpfungen und ermöglicht neue Erkenntnisse über die Welt. Das wird durch eine hübsche Endorphinausschüttung vom Gehirn belohnt, die wie jeder weiß, symptomatisch von Glücksgefühlen begleitet wird. Deshalb machen schöne und komplexe Dinge glücklich, wenn man sich auf sie einlässt – das gilt natürlich genauso für Kunst und Literatur, aber die Natur muss sich für Ästhetik eben nicht mal anstrengen!

Carduus nutans, die Nickende Distel- von Banausen als Unkraut bezeichnet!
Carduus nutans, die Nickende Distel- von Banausen als Unkraut bezeichnet!

 

Das Farbschema der Wegwarte könnte niemand so entwerfen
Das Farbschema der Wegwarte könnte niemand so entwerfen

 

Farblich, geometrisch und von der Textur so harmonisch, und das wächst einfach vor sich hin!
Farblich, geometrisch und von der Textur so harmonisch, und das wächst einfach vor sich hin!

 

Der Albtrauf und die Burg Hohenzollern vom Dreifürstenstein aus - unbezahlbare Aussicht, kostet nur ein paar Kalorien!
Der Albtrauf und die Burg Hohenzollern vom Dreifürstenstein aus – unbezahlbare Aussicht, kostet nur ein paar Kalorien!

 

Sonnenaufgang...
Sonnenaufgang…

 

...und Sonnenuntergang.
…und Sonnenuntergang.

 

Und ein dramatischer Sonnenuntergang!
Und ein dramatischer Sonnenuntergang!
Auch ein tolles Naturerlebnis: Mitten in eine Schafherde geraten...
Auch ein tolles Naturerlebnis: Mitten in eine Schafherde geraten…

Soziales Schmiermittel

Man stelle sich folgende Situation vor: Eine Gruppe Menschen verabredet sich zu einer Wanderung im Schnee. Es muss verabredet werden, wann, wo und wie lange die Wanderung stattfinden soll, bei Bedarf wird noch festgelegt, wer Punsch, Glühwein, Pappbecher und Spekulatius mitbringt oder beratschlagt, in welcher Pizzeria sechs große Hunde nicht weiter auffallen (ja, das gibt es. Wir essen häufig italienisch.).

Die Wanderung selbst ist anstrengend, macht aber ungeheuer viel Spaß, weil Wandern die am wenigsten kompetitive Sportart ist, die mir einfällt – es entsteht nun wirklich gar kein Konfliktpotential. Dass auch noch genügend Luft bleibt, um sich in vollständigen Sätzen zu unterhalten, ist ein weiterer Pluspunkt für die Förderung der Beziehungen der Wanderer untereinander!

Artgemischter Sozialverband hat tierisch viel Spaß im Tiefschnee
Artgemischter Sozialverband hat tierisch viel Spaß im Tiefschnee

 

Empirische Langzeitstudie (etwas über 30 Jahre Laufzeit) belegt: Familien, die mit Hunden raus gehen, streiten sich nicht!
Empirische Langzeitstudie (etwas über 30 Jahre Laufzeit) belegt: Familien, die mit Hunden raus gehen, streiten sich nicht!

 

Der Beginn einer jeden Hundefreundschaft ist immer das gemeinsame Rausgehen - hier: Higgs und Campino
Der Beginn einer jeden Hundefreundschaft ist immer das gemeinsame Rausgehen – hier: Higgs und Campino

 

Außerdem kriegt man draußen ganz schön was zu sehen: Higgs und Kumpel Campino lernen Eselin Theresa kennen
Außerdem kriegt man draußen ganz schön was zu sehen: Higgs und Kumpel Campino lernen Eselin Theresa kennen
Freundtschaftspflege I: Gemeinsames (Geburtstags-)Feiern - Carus, Hanni und Indie
Freundschaftspflege I: Gemeinsames (Geburtstags-)Feiern – Carus, Hanni und Indie

 

Freundschaftspflege II: Gemeinsames Arbeiten - Indie, Luuk, Hanni
Freundschaftspflege II: Gemeinsames Arbeiten – Indie, Luuk, Hanni

 

Freundschaftspflege III: Zusammen spielen - Higgs und Luuk
Freundschaftspflege III: Zusammen spielen – Higgs und Luuk

 

Freundschaftspflege IV: Gemeinsam Rausgehen! - Hanni, Luuk, Frank, Higgs, Indie, Nero
Freundschaftspflege IV: Gemeinsam Rausgehen! – Hanni, Luuk, Frank, Higgs, Indie, Nero

Glückliches Rudel

Alles, was man zusammen erlebt, schweißt zusammen, und das gilt sowohl für Primaten wie auch für Caniden, und natürlich erst recht, wenn diese in artgemischten Rudeln zusammenleben. Das Rausgehen mit den Hunden macht nicht nur individuell glücklich, sondern alle Beteiligten.

Und weil das so ist, gehen wir jeden Tag wieder auf’s Neue raus, und es ist keine Pflicht, sondern das Highlight des Tages!

Platt, aber bestens gelaunt!
Platt, aber bestens gelaunt!

 

Picknick
Picknick
Super! Ein trockener Bachlauf!
Super! Ein trockener Bachlauf!

 

Wahnsinn! Ein Brunnen!
Wahnsinn! Ein Brunnen!

 

Hey! Hier riecht's voll nach Hase!
Hey! Hier riecht’s voll nach Hase!

 

Klasse! Wiese gemäht!
Klasse! Wiese gemäht!

 

Au ja. Randrücken.
Au ja. Randrücken.

 

Wie - gehen wir schon heim?!
Wie – gehen wir schon heim?!

 

Ratzepüh.
Ratzepüh.

 

3 thoughts on “Ich bin dann mal mit den Hunden…

  • 4. August 2014 um 13:09
    Permalink

    Superschöne, stimmungsvolle Fotos (auch die ohne sichtbare Carnivoren).

    Antworten
  • 4. August 2014 um 17:10
    Permalink

    Ich habe Bilder ohne Carnivoren im Artikel?!? Wie sind mir die denn reingerutscht?? 😉
    Schön, dass wir uns beim Chemiker-Grillen mal wieder gesehen haben!

    Antworten
  • 4. August 2014 um 21:23
    Permalink

    Ja, war nett, wenn auch wenig Zeit. Aber einen schicken Hund habt ihr. 🙂

    Antworten

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